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Stadt Wassertrüdingen am Hesselberg  |  E-Mail: poststelle@wassertruedingen.de  |  Online: http://www.wassertruedingen.de

400 Jahre protestantische Union - Klosterkirche Auhausen zu neuem Leben erwecken

Klosterkirche

Europäische Religionsgeschichte wurde vor 400 Jahren in Auhausen, am Ufer der Wörnitz zwischen Wassertrüdingen und Oettingen gelegen, geschrieben. Im Jahre 1608 trafen sich im dortigen Kloster acht protestantische Fürsten und 17 protestantische Städte zu einem „Gipfeltreffen“, man schloss sich zur „Protestantischen Union“ zusammen. Dieses Jubiläum wird kirchengeschichtlich als so bedeutend angesehen, dass es in Kürze in Auhausen zu einem „ökumenischen Gipfeltreffen“ mit zwei Bischöfen kommen wird. Kaiser Maximilian I. von Bayern hatte im Jahr 1607 die Freie Reichsstadt Donauwörth annektiert und zwangskatholisiert. Das protestantische Gipfeltreffen im Jahr 1608 in Auhausen war eine Reaktion auf diesen dreisten und diktatorischen Akt, und war ein entscheidender Meilenstein reformatorischer Geschichte zwischen dem Augsburger Religionsfrieden und dem Prager Fenstersturz, denn nur zehn Jahre später brach der 30jährige Krieg aus, in dessen Verlauf blühende Städte und Märkte wie Wassertrüdingen, Oettingen und Bechhofen fast restlos vernichtet wurden, die Bevölkerung wurde nahezu ausgerottet. Das Kloster Auhausen, im 12. bis 15. Jahrhundert europaweit berühmt und bekannt, verlor nach dem Zusammenschluss der Protestantischen Union jedoch immer mehr an Bedeutung, die Säkularisation im Königreich Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ im Kloster vollkommen die Lichter ausgehen. Heute ist von der einstigen kirchlichen Großanlage nur noch die monumentale Klosterkirche erhalten, die heute eher ein Mauerblümchendasein fristet. Ehrenamtlich tätige Personen bemühen sich redlich, durch Kunst, Kultur und Konzerte immer wieder Leben in die baugeschichtlich sehr interessante Klosterkirche zu bringen. Im Jubiläumsjahr kann die Klosterkirche zumindest für ein paar Tage auf eine glanzvolle Wiedererweckung hoffen, wie die Veranstalter hoffen, mit lang anhaltendem Effekt. Die Auhausener können dabei im Jahr 2008 nicht nur das 400jährige Jubiläum der Protestantischen Union zurück blicken, sondern auch auf die 1050 Jahre alte erstmalige urkundliche Erwähnung des Ortes. König Otto I. ließ vor 1050 Jahren seinem Getreuen Hartmann von Auhausen eine Urkunde ausstellen, und somit wurde der Name Auhausen erstmals „aktenkundig“. Die spätere Wirkungsstätte der Herren von Auhausen war die Lobdeburg bei Jena, weit von den bayrischen Gauen entfernt. Vermutet wird in Fachkreisen, dass bereits lange vor 959 es am Ufer der Wörnitz eine Siedlung „Ahusen“ gegeben haben muss, sogar mit einem sakralen Bau inmitten, dem Vorgänger der Klosterkirche. Am Samstag, den 19. April, beginnen die Jubiläumsfeierlichkeiten im Evangelischen Bildungszentrum Hesselberg mit einer "Geschichtswerkstatt" des Evangelischen Bildungszentrums Hesselberg in Zusammenarbeit mit dem  "Verein für Bayerische Geschichte" zur Protestantischen Union, am Pfingstsamstag, den 10. Mai, findet um 16 Uhr in der Klosterkirche Auhausen ein ökumenischer Gottesdienst mit dem Eichstätter Bischof Dr. Gregor Hanke und Regionalbischof Dr. Ernst Öffner aus Augsburg statt. Weitere Veranstaltungen im Jubiläumsjahr sind Fachvorträge von Dr. Axel Gotthardt von der Uni Erlangen über die „Union von Auhausen“ (11.Mai) und von Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler über „Auhausen im 17. Jahrhundert“ (15. Mai), Konzerte in der Klosterkirche mit Charles Daniels und „His Majesty’s Sagbutts und Cornetts“ (12. Mai), dem Windsbacher Knabenchor (20. Juli) und dem „Musicalischen Krentzlein Altentrüdingen“ (15.November), zudem ein von dem Wassertrüdinger Frieder Held zusammengestelltes Festspiel (13. Mai) und ein „Tag der offenen Gartentür“ mit Vorstellung der Gärten im Klosterhof (29. Juni). Am 27. September findet in Auhausen der Schwäbische Heimattag statt und es wird der „Mönchsweg“ eröffnet. Im Jahr 2009 gehen die Veranstaltungen weiter und schließen mit einem Festwochenende im Juni 2009 unter dem Motto „1050 Jahre Auhausen“, wobei unter anderem buntes mittelalterliches Treiben im Klosterhof dargestellt wird.


Geschichtswerkstatt im Evangelischen Bildungszentrum  


Die Geschichtswerkstatt mit dem Thema „400 Jahre protestantische Union von Auhausen“ fand am 19. April beim Evang. Bildungszentrum Hesselberg statt. Der Tag gab eine fachlich fundierte und gut verständliche Annäherung an das wichtige reformationsgeschichtliche Ereignis vor 400 Jahren. Im Mai 1608 wurde nämlich im Klosterdorf Auhausen europäische Ge-schichte geschrieben. Zum ersten Mal seit den frühen Jahren der Reformation schlossen die evange-lischen Fürsten des Reiches ein militärisches Verteidigungsbündnis, die „Union von Auhausen“. Und - wie damals gar nicht üblich - die Fürsten waren in Auhausen – bis auf eine Ausnahme – selbst bei den Verhandlungen vor Ort. Allein diese Tatsache zeigt die von den Fürsten empfundene Bedrohung. Doch ihr Bündnis scheiterte. 13 Jahre nach Gründung endete die Union mit ihrer Auf-lösung. Es folgte der dreißigjährige Krieg. Der Historiker und Journalist Dr. Thomas Greif, Leiter des Tages, betonte an der Geschichtswerk-statt: „Zukunft braucht Herkunft“ – auch bei Fragen konfessioneller Geschichte. Greif zeigte auf, dass ein direkter Weg von Augsburg (Augsburger Religionsfriede) über Regensburg (Regensburger Religionsgespräche) und die Unruhen in Donauwörth nach Auhausen (Gründung der Union) führte. In den Ausführungen des Stadtarchivars Dr. Ottmar Seuffert wurde die Donauwörther Lokalge-schichte lebendig. So erfuhren die zwanzig Zuhörenden, dass die Donauwörther eine katholische Prozession störten und dafür wegen Landfriedensbruchs angaklagt wurden. Verhandlungen zwi-schen dem Rat der Stadt und dem Abt des Klosters blieben ergebnislos. Kaiserliche Abgesandte, die prüfen sollten, ob Prozessionen in Zukunft reibungslos verlaufen konnten, mussten feststellen, dass die nächste geplante Prozession wegen der unsicheren Lage abgesagt wurde. Die Situation gipfelte in der Besetzung Donauwörths am 17.12.1607 durch Alexander von Haslang im Auftrag Maximili-ans von Bayern, der zur Vollstreckung des kaiserlichen Urteils auserwählt worden war. Die Protes-tanten verließen daraufhin die Stadt. Die Bevölkerung Donauwörths halbierte sich. Anschließende Hexenprozesse wurden von München gesteuert. Die genannten Ereignisse führten dazu, dass der nächste Reichstag ohne Beschluss auseinander ging. Dessen protestantische Vertreter fanden sich dann zur Gründung der protestantischen Union 1608 in Auhausen zusammen. Dr. Hans-Wolfgang Bergerhausen von der Universität Würzburg stellte im Anschluss an den Vor-tag von Dr. Seuffert dieses Bündnis genauer vor – wegen einer Kehlkopfentzündung las seine Frau den Vortrag. Der calvinistische Fürst Friedrich IV. von der Pfalz führte die Union an. Eine wichtige Rolle spielte auch sein Kanzler, Christian von Anhalt-Bernburg. Die insgesamt acht protestanti-schen Fürsten beherrschten die ebenfalls im Bündnis vertretenen 17 protestantischen Städte. Das große Problem der Union war laut Bergerhausen die Spaltung der Protestanten in Calvinisten und Lutheraner. So bestanden in diesen beiden Richtungen bereits bei der Gründung unterschiedliche Auffassungen über das Bündnis. Unausgeglichenheit, Halbherzigkeit und Unehrlichkeit zwischen den Vertragspartnern kennzeichneten die Union von Anfang an. Dies führte zu einer nur halbherzi-gen Verlängerung des Bündnisses 1618 –und zur späteren Auflösung, nur 13 Jahre nach ihrer Gründung. Die Geschichte der Union ist daher eine Geschichte des Scheiterns, so Dr. Bergerhau-sen. Bereits ein Jahr nach der Gründung war zudem ein Gegenbündnis entstanden – die katholische Liga, mit Maximilian von Bayern als klaren Führer. Nachmittags besuchten die Teilnehmer der Geschichtswerkstatt das frühere Klosterdorf Auhausen. Dabei wurde deutlich, dass die wohl etwa 500 Person starke Delegation der Verhandlungsführer auch in Massenquartieren untergebracht worden sein musste. Der Pfarrer von Auhausen, Wolfgang Layh, zeigte anschaulich die Besonderheiten der ehemaligen Klosterkirche und erläuterte deren Geschichte. So wurde das Kloster etwa im Bauernkrieg stark beschädigt. Die Spuren erkennt man noch heute am Chorgestühl. Den dort dargestellten Personen wurden die Nasen abgeschlagen. Nur zwei Figuren übersah man dabei. Und es findet sich in der Kirche der untere Teil einer Tonfigur des Christopherus. Wäre die ganze Figur erhalten geblieben, so wäre sie wohl die größte Tonfigur Deutschlands aus jener Zeit (1400 - 1450). In Auhausen findet anlässlich des 400. Jahrestages der Union eine Gedenkwoche statt. Das Programm findet man im Internet unter www.kirche-auhausen.de

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