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Stadt Wassertrüdingen am Hesselberg  |  E-Mail: poststelle@wassertruedingen.de  |  Online: http://www.wassertruedingen.de

15000 Besucher beim Bayerischer Kirchentag - Kaiserwetter mit Alpenblick

Kirchentag
15000 Besucher kamen zum Bayerischen Kirchentag auf den Hesselberg bei Wassertrüdingen

Die Armut muss in Deutschland ein Thema werden und bleiben, so die Forderung von Landesbischof Dr. Johannes Friedrich und Präsident Pfarrer Dr. Ludwig Markert vom Diakonischen Werk Bayern in einer „Dialogpredigt“ auf dem Bayerischen Kirchentag vor rund 15.000 Gläubigen, die bei „Kaiserwetter“ auf den Hesselberg gepilgert waren. Wilhelm Löhe (Neuendettelsau) und Johann Hinrich Wichern (Hamburg), beide vor 200 Jahren geboren, wurden in der Dialogpredigt als beispielgebend bezeichnet, denn sie hätten nicht resigniert, sondern im Gottvertrauen die Diakonie aus der Taufe gehoben. Nach dem Einzug der Liturgen auf die mit Menschen übersäte, fast bis auf den letzten Platz gefüllte „Kirchentagswiese“ auf der südlichen Sonnenseite des Hesselbergs begrüßte Wassertrüdingens Dekan Hermann Rummel nicht nur die zahlreichen Gäste, die auf den einzigen fränkischen Berg mit Alpenblick zum traditionellen Kirchentag am Pfingstmontag gepilgert waren, sondern auch rund eine Million Fernsehzuschauer weltweit, die die Liveübertragung des Bayerischen Fernsehens zuhause mit verfolgten. Musikalisch begleitet wurde der Kirchentag von der Kirchentagskontarei (gemeinsame Chöre aus Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Wassertrüdingen) und den Vereinigten Posaunenchören mit rund 250 aktiven Bläsern aus den Kirchengemeinden rund um den Hesselberg. Landesbischof Dr. Johannes Friedrich begann eine „Dialogpredigt“, ein Novum auf dem Hesselberg, mit dem Aufruf an die Gemeinde „Alles ist Euer“. Dieses Wort wende sich an jeden, es fordere auf zum Tun: „Schau genau hin, es steckt viel in dir.“ Gott wolle die innere Freiheit stärken, die der Glaube schenke. Als eines der wichtigsten Ziele der Diakonie gelte die Bekämpfung der Armut, so Präsident Dr. Markert, nämlich die Armut, die sich zu verstecken suche vor den Augen der Nachbarn und Schulfreunde, die aber da sei, „mitten unter uns“. Rund zwei Millionen Kinder in Deutschland lebten in Armut, in Bayern seien es rund 160.000. Diese Zahlen seien zu hoch, und darum müsse die „Armut“ zum gesellschaftlichen Thema werden. Es müsse in Bayern und in Deutschland doch wieder möglich sein, mit Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wo das nicht der Fall sei, seien Mindestlöhne ein gangbarer Weg, so der Präsident. Dr. Markert forderte eine Erhöhung des „Hartz-IV“ Satzes auf mindestens 420 Euro. Die Kirche müsse Anwalt sein für andere, damit nicht nur das eigene Leben, sondern auch das der anderen gelinge. Dr. Johannes Friedrich ergänzte, dass Kirche und Diakonie inzwischen viel deutlicher zueinander stünden als früher. Gemeinden öffneten ihre Kirche zur Speisung von Obdachlosen, in Sozialkaufhäusern und „Second Hand“ Läden von Kirche und Diakonie blieben Arme inzwischen vielfach nicht mehr unter sich. Wer Bildung fördere, beuge der Armut und der Jugendkriminalität vor. Dr. Markert erinnerte an den vor 200 Jahren geborenen Wilhelm Löhe, der in einem damals unbedeutenden Ort, nämlich Neuendettelsau, den Grundstein für diakonische Arbeit gelegt habe, die inzwischen zu den bedeutendsten in Bayern, ja Deutschlands, gehöre. Die hoffnungsfrohe Zuversicht des Evangeliums habe auch den anderen großen Jubilar dieses Jahres, Johann Hinrich Wichern, in den Armutsvierteln der Großstadt Hamburg nicht verzweifeln lassen. Er habe begonnen, Kinder und Jugendliche von der Straße zu holen, und er sorgte für sie für ein Dach über dem Kopf. VölkelDamit veränderte er das Leben vieler junger Menschen, die sonst wohl gescheitert wären. In Zeiten von Hartz IV seien die Christen zu ähnlichem Handeln aufgefordert, so der Liturg. Mit einem kräftigen „Nun danket alle Gott“ und einem Grußwort von Regionalbischof Helmut Völkel klang der Festgottesdienst am Vormittag aus, am Nachmittag fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Diakonie“ statt (hierzu erfolgt in der morgigen Ausgabe ein eigener Bericht). Über 1000 Kinder fanden sich zudem auf dem Kinderkirchentag ein, in dessen Mittelpunkt „Johann Wicherns Kinderhaus“ und ein Kindermusical standen. 

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