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Stadt Wassertrüdingen am Hesselberg  |  E-Mail: poststelle@wassertruedingen.de  |  Online: http://www.wassertruedingen.de

"Trüdinger Bahnhof" - Leidenschaft aus der Jugend

Piephans
Autor Joachim Piephans vor dem Wassertrüdinger Bahnhof

Joachim Piephans stammt aus der Wassertrüdinger Bahnhofstraße, und nichts lag näher, als schon mit dem ersten Kinderfahrrad den namensgebenden Ort zu erkunden: den Bahnhof von Wassertrüdingen, in den Siebziger Jahren noch eine Station voller Leben. Piephans, heute 44 Jahre alt und evangelischer Pfarrer in Ettenstatt bei Weißenburg, muss damals wohl mit dem hartnäckigen Virus „Eisenbahn“ infiziert worden sein. Damals, „in den Kindersommern an der Bahnsteigsperre“, wie er selber sagt, und so nachhaltig, dass ihm die Leidenschaft für das rollende Rad bis heute geblieben ist. Jetzt hat er sein erstes Buch veröffentlicht. Auf die frühen Erkundungen folgten die letzten Jahre des Personenverkehrs, die er neben der Schule intensiv, auch fotografisch begleitet hat. Dann zogen sich die Kreise immer weiter, heute gilt den Eisenbahnen und Eisenbahnern Tschechiens und Südosteuropas sein besonderes Interesse. Und er hat nun erstmals ein Buch davon geschrieben: „Schienenstoß, grenznah“ heißt es, „Impressionen aus marginalen Eisenbahnlandschaften“ steht im Untertitel. Joachim Piephans versammelt darin Reportagen und Reisenotizen aus dem Böhmerwald, der polnischen Neumark und Kroatien – und vergisst darin natürlich auch den heimatlichen „Trüdinger Bahnhof“ nicht. Denn: „Wer aufbrechen will, muss Heimat haben“, davon ist er überzeugt. Und genau unter dieser Überschrift beschreibt er im Schlusskapitel, wie es damals war, 1984/85 draußen im und um das rote Bahnhofsgebäude, wenn der „Zwei-Uhr-Zug“ sich ankündigte, wenn die Eisenbahner Adolf Fuchshuber (Ehingen), Karl Gerhäußer (Altentrüdingen) und Hans Scheuermann (Oettingen) den Signalhebel schwangen oder Schülermonatskarten verkauften – und wie dort im September '85 still und leise eine Epoche zu Ende ging. Ein Ende, das freilich für den späteren Studenten und heutigen Pfarrer zum Aufbruch wurde: die Eisenbahn als Verkehrsmittel mit menschlichem Maß und Heimatbezug zu suchen und zu bereisen, ist sein Motiv bis heute, Notizblock und Kamera sind stets dabei. Viele Berichte hat er darüber verfasst, nicht so sehr die Technik, sondern das Leben in und um die Bahn steht im Mittelpunkt. Bereits veröffentlichte und einige neue Reportagen bilden mit eigenen Bildern das Buch, das nun erschienen ist. „Ein Lesebuch soll es sein; denn schöne, unbeschwerte und auch nachdenkliche Erlebnisse soll man teilen,“ so Piephans. Vor dem Schwierigen macht er dabei nicht halt, gerade die vom Krieg der Neunziger Jahre traumatisierten Landschaften Kroatiens sind immer wieder sein Ziel, zu denen es meist mit Ehefrau Margit auf die Reise geht. Zerschossene Bahnhöfe und entvölkerte Dörfer, an denen die Lokalbahn „entlangrumpelt“, hat er in Sätze gefasst und in Bildern eingefangen, aber auch kleine heile Welten, freundliche Eisenbahner, gastliche Dorfbewohner und so manches Überbleibsel der lange vergangenen k.u.k. Doppelmonarchie. Für den gebürtigen Wassertrüdinger war die Herausgabe des schmalen Bandes „Schienenstoß, grenznah“ auch ein Wagnis, denn diese andere Form von Eisenbahnliteratur ist bislang eine Seltenheit. Doch wenn der ein oder andere Gleichgesinnte Lust bekommt, auch einmal die ausgetretenen Pfade zu verlassen, Grenzen zu überschreiten, Gegenden und Menschen im Schatten des großen Geschehens aufzusuchen, dann hat sich die Mühe von zwei Jahren durchaus gelohnt, so Piephans. Außerdem sind die zusammengestellten Aufsätze so etwas wie eine persönliche Reisebilanz Piephans’ von zehn Jahren, von der Mitte der Neunziger Jahre bis um 2005 reicht das Beschriebene. Die letzten beiden Jahre sind noch ausgespart, das dort im Donautiefland Kroatiens Erlebte möchte ich noch weiter vertiefen. Wichtig aber war es ihm, auf den letzten Seiten die eigenen Anfänge darzustellen: Was habe ihn auf „seinem Trüdinger Bahnhof“ fasziniert, und was suche er daher auf Reisen immer wieder. So ist mit dem Buch von Reisen in die Ferne auch die Dokumentation eines kleinen Stücks Heimatgeschichte verbunden. Und was ist für die kommende Zeit an Fahrten in Aussicht? „Eine größere Reise mit dem Schlafwagen nach Südost ist heuer nicht geplant,“ so der reisende und schreibende Pfarrer. Das klingt nach einer kreativen Pause – aber: „Ein oder zwei kurze Touren mit dem Rucksack im Spätsommer und Herbst, vielleicht zum Zusammenfluss von Mur und Drau oder ins Angeltal am Böhmerwaldkamm sollten schon drin sein!“

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