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Stadt Wassertrüdingen am Hesselberg  |  E-Mail: poststelle@wassertruedingen.de  |  Online: http://www.wassertruedingen.de

Historisches Rätsel nach 200 Jahren aufgeklärt - ein Wassertrüdinger brachte Napoleon zur Weißglut

Zeichnung

Vor 200 Jahren erteilte Kaiser Napoleon den Befehl, den Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm in Braunau am Inn öffentlich hinzurichten. Jetzt hat die Wissenschaft herausgefunden, daß es sich um einen Justizirrtum handelte. Nicht Palm, sondern der Wassertrüdinger Julius Konrad von Yelin war Verfasser einer Schrift, die Napoleon den Boden in Deutschland heiß machte und die Stimmung überkochen ließ. Wassertrüdingens Stadtheimatpfleger Horst Kirchner hat dazu beigetragen, die Umstände um den politischen Mord in Braunau am Inn und die Verbindungen des Wassertrüdinger Bürgers Yelin zu den Ereignissen aufzuarbeiten. Danach wurde Julius Konrad von Yelin 1771 in Wassertrüdingen geboren, vis-a-vis des Rathauses, war Kammerassessor und königlich bayrischer Finanzrat und seit 1803 Geschäftsführer der in Passau eröffneten Filiale der Palmschen Buchhandlung. Yelin war zudem Ritter des Königlich-Bayrischen Zivil-Verdienstordens und Mitglied der Königlichen Akademie in München. 1826 verstarb Yelin während einer Forschungsreise durch Schottland in Edinburgh, den Trauerzug führte damals Sir Walter Scott, der berühmte Romancier („Ivanhoe“), an. Daß der Wassertrüdinger mit einer Streitschrift in Europa ein Erdbeben auslöste und damit zu Napoleons Sturz beitrug, war schon lange vermutet worden, ist jetzt aber Gewissheit. 1806, nach Gründung des Königreich Bayerns durch Zusammenschluß von Altbayern und den fränkischen sowie schwäbischen Gebieten, sorgte ein 144 Seiten dickes Pamphlet für Aufregung. Der unbekannte Autor hetzte unter dem Titel „Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung“ gegen den Franzosenkaiser, allerdings vertritt die Wissenschaft laut Kirchner heute die Auffassung, daß es sich nicht um eine ruchlose Brandschrift und eine Anleitung zum Aufstand handelte, sondern um eine zwar streckenweise pointiert formulierte, aber vornehmlich von Trauer und Bitterkeit durchzogene Darstellung der zeitgenössischen Verhältnisse. Dennoch sorgte die Schrift für sehr viel Unruhe, und Napoleon soll außer sich vor Zorn gewesen sei, als er von der Geschichte hörte. In seiner Wut ließ er nur schlampig recherchieren, sterben mußte der unschuldige Nürnberger Buchhändler Palm. Palm, in dessen Augsburger Filiale das Pamphlet zuerst erschien, wurde nach zwei Verhören nur wenige Stunden nach Bekanntgabe des Urteils hingerichtet. Yelin, dessen Vater Stadtvogt von Wassertrüdingen war, blieb dagegen verschont. Palm verheimlichte bis zu seinem bitteren Ende auf dem Braunauer Marktplatz den ihm bekannten Autor. Stadtheimatpfleger Horst Kirchner will nun anregen, daß in Zusammenarbeit mit den „Altstadtfreunden“ am Geburtshaus Yelins eine Tafel angebracht wird, auf der auch an den politischen Justizmord erinnert wird. Zudem will er im schottischen Edinburgh nachforschen, ob hier das Grab des Julius Konrad von Yelin noch existiert.

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