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Stadt Wassertrüdingen am Hesselberg  |  E-Mail: poststelle@wassertruedingen.de  |  Online: http://www.wassertruedingen.de

Universität Michigan legt Biografie über Wassertrüdinger Mediziner vor - Gedenktafel in Vorbereitung

Professor Michael Hortsch von der Universität Michigan (USA) hat seine Kurz-Biografie über den berühmten Wassertrüdinger Arzt Prof. Dr. Hans Nathan Kohn jetzt fertig gestellt. Diese zeigt eine schillernde Persönlichkeit in Deutschland am „Vorabend des Nationalsozialismus“ auf. Die Altstadtfreunde Wassertrüdingen sind indes mit ihren Planungen zur Gestaltung einer Gedenktafel für den berühmten Sohn der Stadt beinahe fertig. Professor Hortsch bezeichnet den Wassertrüdinger in seiner Biografie als einen der wichtigen jüdischen Mediziner und Forscher, die lange Zeit einen entscheidenden Anteil an dem großen Ansehen und der führenden Stellung, die Berlin weltweit in Forschung und Lehre genoß, hatten. Kohn, am 15. September 1866 vis-a-vis des „Törle“ in einem Haus am oberen Marktplatz geboren, habe sich während der Zeit des Wilhelminischen Kaiserreichs und der Weimarer Republik große Verdienste um den Ausbau des Berliner Gesundheitswesens erworben. Die Familie Kohn sei schon seit fast 200 Jahren in Wassertrüdingen ansässig gewesen, die Familie hatte hier ein hohes Ansehen, und mehrere Kohns wurden, obwohl sie Juden waren, in den Wassertrüdinger Magistrat gewählt. Ein Kohn wurde sogar zweiter Bürgermeister der damals königlich-bayrischen Stadt. Hans Kohn habe Wassertrüdingen schnell verlassen, da die schulischen Fortbildungsmöglichkeiten in der „fränkischen Provinz“ eher bescheiden waren, er besuchte in Augsburg das Gymnasium und studierte in Kiel, Erlangen und München. Die letzte große Choleraepidemie, die Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Norddeutschland heimsuchte, führte ihn nach Hamburg. Kurz zuvor hatte er die Alveolarporen in der menschlichen Lunge entdeckt, und publizierte diese Entdeckung nach Abebben der Choleraepidemie. Es folgte der Ruf an das Krankenhaus am Urban in Berlin, dem er sehr gerne nachkam. 1906 machte er sich als Internist in Berlin selbstständig, blieb aber Prosektor der Medizinischen Universitätsklinik in Berlin. Auch politisch betätigte sich Kohn, er galt als Vertreter des „angepassten Judentums“, das kaisertreu war und der Weimarer Republik und der sozialdemokratischen Regierung unter Friedrich Ebert sehr skeptisch gegenüber stand. Nicht nur die Alveolarporen, auch das Krankheitsbild „Angina Pectoris“ beschäftigte den Wassertrüdinger, er diagnostizierte als einer der ersten, daß es sich hier um eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, und nicht der Aorta handelt. Einen heftigen fachlichen Disput soll sich Kohn mit dem berühmten Berliner Mediziner Rudolf Virchow geliefert haben, was der Freundschaft der beiden allerdings keinen Abbruch tat. 1933 entzogen die Nationalsozialisten jüdischen Ärzten die kassenärztliche Berechtigung. Kohn war als Privatarzt zunächst nicht betroffen, verstarb aber 1935 in Berlin. Auf seinem Sterbebett wurde er jedoch noch von der Gestapo verhört, die näheres von ihm über den Aufenthalt seiner Tochter und seines Schwiegersohnes erfahren wollten, die den Kommunisten nahe standen. Kohns Frau Gertrud Malachowski-Kohn schied durch Freitod aus dem Leben.


Laut Dekan Hermann Rummel, dem Vorsitzenden der Altstadtfreunde, ist eine Gedenktafel für den berühmten Wassertrüdinger, die mit Zustimmung der Eigentümerin am Geburtshaus, dem so genannten „Kerkering-Haus“ angebracht werden soll, in Vorbereitung. Derzeit ist der Dekan in Kontakt mit Wassertrüdinger Ärzten und Apothekern, die von ihm um eine Spende zur Anbringung der Gedenktafel gebeten wurden. Großen Anteil an der Erforschung der Familie Kohn hatte laut Bürgermeister Hugo Pelczer Stadtheimatpfleger Horst Kirchner, dem Professor Michael Hortsch in seiner Kurzbiografie seinen besonderen Dank aussprach.

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