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Stadt Wassertrüdingen am Hesselberg  |  E-Mail: poststelle@wassertruedingen.de  |  Online: http://www.wassertruedingen.de

Frühstück mit Glenn Ford und Zoff mit Errol Flynn - ein Wassertrüdinger schreibt Hollywood-Geschichte

Grab von Ernst F. Richter

Mit Glenn Ford pflegte er zu frühstücken, mit Vivian Leigh zu flirten, mit Errol Flynn zu streiten und mit Leslie Howard politische Debatten zu führen:


Der 1911 in Wassertrüdingen geborene Ernst F. Richter wirkte maßgeblich an der Entstehung des legendären Hollywoodfilms „Vom Winde verweht“ mit, wie Stadtheimatpfleger Horst Kirchner jetzt über eine Autobiographie Richters, die er in Nördlingen entdeckte, herausfand. Richters Vater Fritz war erster Nachkriegsbürgermeister in Wassertrüdingen, Ernst -amerikanisch Ernest- war vor dem Krieg nach Amerika ausgewandert. 1938 bekam er eine Stelle bei Selznick International Pictures (SIP), gerade zu der Zeit, als dort die Vorbereitungen zum Epos „Vom Winde verweht“ anliefen. Richters Aufgabe war es, das Drehbuch zu betreuen, vor allem die „Stars“ in Sachen Drehbuch immer auf dem aktuellen Stand zu halten. Clark Gable pflegte ihn jeden Morgen freundlich mit „Hello Ernest“ zu begrüßen, Vivian Leigh habe nie vergessen ihm zu danken, wenn das Drehbuch ergänzt werden mußte. Mit Leslie Howard, dem Darsteller des Ashley Wilkes, führte er in den Drehpausen politische Debatten über die gespannte Situation in Europa. Bei Olivia de Havilland, der „Granddame“ des Hollywood, leistete er sich einen Fauxpas: Er dachte, das Hausmädchen habe ihm geöffnet, als er ein Drehbuch vorbeibringen wollte, und er fragte nach der berühmten Schauspielerin. „Das bin ich“, antwortete die Dame, und Richter wollte eigentlich im Erdboden versinken. „Ich bin ja auch gar nicht zurechtgemacht“, entschärfte de Havilland die Situation. Mit Bette Davis, Ingrid Bergmann und Sir Laurence Oliver hatte er beruflich zu tun, immer wieder Zoff hatte er nach eigenen Worten mit dem "Leinwand-Don-Juan" Errol Flynn, dem er die deutsche Sprache beibringen sollte. Flynn sei keine einfache Persönlichkeit gewesen. Am liebsten denke er an das allwöchentliche sonntägliche Frühstück mit Glenn Ford zurück, so der Wassertrüdinger: Zu Ford habe ihn eine ganz enge Freundschaft verbunden, dessen selbst entworfenen Käse-Gerichte hätten ihn aber ab und zu den Magen umgedreht. Filmproduktion ist harte Arbeit, so Richter in seinem Resümee, das Arbeiten an „Vom Winde verweht“, laut Richter dem „bedeutendsten, größten, Kolossalsten Film aller Zeiten, habe Schauspieler und Crew stets zu Höchstleistungen herausgefordert, so Richter. Er habe dort eine Menge gelernt. Eine enge Verbindung hatte Richter nach eigenen Worten auch zum Autor der „Tarzan-Bücher“, Edgar Rice Burroughs.


Auf dem Höhepunkt seines Hollywoodschaffens mußte der damals 30-jährige Richter in die amerikanische Armee eintreten, als er nach Kriegsende mit dem Jeep durchs Wassertrüdinger „Törle“ fuhr und die Bläser „Nun danket alle Gott“ vom Kirchturm bliesen, habe ihn die Wehmut überfallen. Nur wenige Minuten später lag er seinen Eltern in den Armen, die in der Mühltorstraße wohnten und die er zwölf Jahre nicht gesehen hatte. Richter verstarb 58jährig in Wassertrüdingen, er liegt auf dem Wassertrüdinger Friedhof begraben.

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